Du willst etwas tun, das deine Therapie besser verträglich macht, Nebenwirkungen reduziert und im besten Fall sogar deine Überlebenschancen verbessert, aber dir fehlt die Kraft für „richtiges Training“? Dann ist diese Erkenntnis entscheidend: Du brauchst keinen perfekten Plan und kein Fitnessstudio. Du brauchst einen Startpunkt. Denn selbst wenig Bewegung kann medizinisch relevant sein, wenn sie klug eingesetzt wird.
Dr. Simon Wernhart bringt es auf den Punkt: „Ganz, ganz wenig hilft schon extrem viel.“ (Dr. Simon Wernhart, Oberarzt und Sportwissenschaftler)
Das unterschätzte Minimum, das wirklich zählt (Sport ist Medizin bei Krebs)
Viele Betroffene scheitern nicht am Willen, sondern an der falschen Messlatte. „Dreimal die Woche Gym“ klingt nach einem Berg, besonders während oder nach einer Krebsbehandlung. Genau hier setzt präventive Sportmedizin an, mit einem Ansatz, der sich für den Alltag eignet.
Warum das so wichtig ist: In der medizinischen Forschung zählen harte Endpunkte. Nicht „fühlt sich besser an“, sondern Überleben, Rückfälle, Krankenhausaufenthalte. Und genau da wird Bewegung zunehmend relevant.
Dr. Wernhart beschreibt eine große Studie zu Darmkrebs, die in einem der wichtigsten medizinischen Journale erschienen ist: „Sie leben länger, wenn sie Sport machen bei Krebs.“ (Dr. Simon Wernhart, Oberarzt und Sportwissenschaftler)
Das Bemerkenswerte: Die Trainingsintervention war niedrigschwellig. Alle zwei Wochen körperliche Aktivität und Anleitung. Und trotzdem zeigte sich im Langzeitverlauf ein Vorteil bei der Sterblichkeit.
Hier ist der Perspektivwechsel: Wenn „alle 14 Tage angeleitet“ bereits einen Effekt zeigt, dann ist die Frage für deinen Alltag nicht „Schaffe ich ein perfektes Programm?“, sondern: Was ist mein kleinstmöglicher nächster Schritt, den ich heute wirklich mache?
„Das heißt, wenn sie am Tag zehn Minuten spazieren gehen und den Häuserblock haben sie für ihren Körper was gemacht.“ (Dr. Simon Wernhart, Oberarzt und Sportwissenschaftler)
## Warum Training während der Therapie oft scheitert und wie du die Hürde praktisch kleiner machst
Während der Chemotherapie oder intensiver Behandlungsphasen kommt die Realität dazwischen: Müdigkeit, Übelkeit, Erschöpfung, der Weg zur Trainingsstätte. Hier kommt ein Hebel ins Spiel, der in der Versorgung lange unterschätzt wurde: Online-Angebote und betreute, einfache Formate, die Anreise und Organisationsstress reduzieren. Warum das strategisch so stark ist: Du senkst die Einstiegshürde und erhöhst die Wahrscheinlichkeit, dass Bewegung zur Gewohnheit wird. Und Gewohnheit schlägt Motivation.
Ein zweiter Hebel ist die Sprache. Dr. Wernhart sagt ganz bewusst, bei einer neuen Studie sei „Training vielleicht das falsche Wort, sondern Mobilisierung.“ Das klingt kleiner, machbarer, weniger nach Leistung. Genau das brauchen viele Menschen in einer Phase, in der der Körper ohnehin „auf Sparflamme“ läuft.
Viele denken bei „Sport“ automatisch an Joggen oder Ergometer. Aus medizinischer Sicht greift das zu kurz, gerade bei Krebserkrankungen und deren Therapien.
Dr. Wernhart erklärt, dass es nicht nur um Ausdauer geht, sondern auch um die Muskulatur und die Versorgung der Zellen: „…sondern auch das Krafttraining, weil da können wir entsprechend die Durchblutung verbessern, also die Kapillaren, die Kleingefäße, werden einerseits vermehrt und in ihrer Kapazität auch verbessert, sodass der Sauerstoff ans Kraftwerk der Zelle kommen kann…“ (Dr. Simon Wernhart, Oberarzt und Sportwissenschaftler)
Bewegung ist hilfreich, aber sie muss zur Situation passen. Dr. Wernhart beschreibt, dass eine medizinische Einschätzung vor Therapiebeginn besonders wertvoll ist, um Veränderungen später einordnen zu können. Für Hochrisikopatienten wird in München sogar interdisziplinär geplant: „…so eine Art Board oder eine Besprechung, wo der Strahlentherapeut, der klassische Onkologe dabei ist, aber auch der Sporttherapeut, der Ernährungs-Therapeut, der Psychologe…“ (Dr. Simon Wernhart, Oberarzt und Sportwissenschaftler)
Konkrete Situationen, in denen Vorsicht besonders wichtig ist:
– Infekte und starke Erschöpfung: Die innere Uhr, das Gefühl, ich fühle mich halt nicht so gut… ist schon einmal ein ganz guter praktischer Indikator.
– Blutwerte und Kontaktsport: Bei Blutarmut oder niedrigen Blutplättchen kann ein Schlag oder Sturz gefährlich werden. Daher sprecht immer erst mit Eurem behandelnden Arzt/Ärztin
Ein harter Fakt aus der Praxis: Viele sind bereit, aber ihnen fehlt Struktur, Zugang oder Information.
Bernadine Madl beschreibt das Ziel des bundesweiten Implement-Projekts sehr klar: „…einen flächendeckenden… Zugang zu einer qualitätsgesicherten Sport- und Bewegungstherapie für Krebspatienten entwickeln…“ (Bernadine Madl, Sportwissenschaftlerin und Standortkoordinatorin Implement)
Und sie benennt die Barrieren, die in Befragungen sichtbar wurden: z.B. im ländlichen Raum… zu wenig Angebote… Patienten… zu wenig sensibilisiert… viele Patienten wissen auch nichts von dem Angebot oder sind verunsichert, was sie machen können/sollen und was nicht.
Viele schrecken zurück, weil sie denken, sie brauchen Geräte, Studio, Erfahrung. In der Münchner Gruppe wird bewusst niedrigschwellig trainiert: „…ausschließlich mit dem eigenen Körpergewicht, beziehungsweise mit kleinem Equipment, wie Kleinhandeln oder einem Wackelbrett…“ (Bernadine Madl, Sportwissenschaftlerin und Standortkoordinatorin Implement)
Der Aufbau klingt wie ein Plan, den man auch zu Hause nachbilden kann:
– Aufwärmen plus leichte Ausdaueranteile
– Kraftübungen (Beckenboden, Bauch, Rücken, Arme)
– Koordinationseinheiten, je nach Schwerpunkt
Und genau hier liegt der Vorteil: Es ist nicht „Sport als Event“, sondern Bewegung als Bestandteil des Alltags, auch nach der Therapie.
Dr. Wernhart nennt Sport ein Medikament mit Wirkung auf viele Systeme: „…Sport tatsächlich… wirkt auf vielen Aspekten… es wirkt aufs Herz, es wirkt auf die Lunge, es wirkt im Gehirn, es wirkt auf den Muskel… so dass man sagen kann, Sport ist Medizin.“ (Dr. Simon Wernhart, Oberarzt und Sportwissenschaftler)
Und er liefert den Satz, der hängen bleibt: „Und wenn man es als Tablette verschreiben könnte, es würde jeder nehmen.“ (Dr. Simon Wernhart, Oberarzt und Sportwissenschaftler)
Warum nehmen es trotzdem so wenige regelmäßig?
Weil der Start schwer ist: „…die schwersten Zentimeter… sind die um den…. vom Stuhl hoch zu kriegen.“ (Dr. Simon Wernhart, Oberarzt und Sportwissenschaftler)
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