Eine solche Krankheit ist nervenaufreibend. Was mich am meisten fertig gemacht hat, war, wenn man nichts machen kann als zu warten.
Dieses mal dann, nach den angesetzten Chemo-Zyklen. Als die vorbei waren, hieß es warten bis zum MRT Termin, dann warten bis die Ergebnisse da sind…..
Rückblickend gesehen, hätte man diese Zeiten sicherlich besser nutzen können. Um sich selbst zu pflegen. Vielleicht ein schöner SPA-Day, wirklich gut Essen gehen, aktiv sein und das Leben genießen – aber hätte, hätte…. Ich konnte das nicht. Mein Kopf drehte unablässig eine Runde nach der anderen und ich habe in den letzen Jahren durch einen hektischen und stressigen Beruf verlernt, wie ich innerlich zur Ruhe komme – dabei bin ich sogar ausgebildete Yoga-Lehrerin. Aber auch hier gilt: Was man nicht übt, verlernt man und kann es nicht anwenden, wenn man es braucht.
Bei alledem, was ich gerade geschrieben habe, könnte man den Eindruck bekommen, es wären mehrere Wochen Wartezeit gewesen, doch nein – es waren gerade mal 9 Tage zwischen dem Ende meiner letzten Chemo und dem Anruf der Onkologie, dass operiert werden kann. Dieser Tag, als der Anruf kam, war einer der schönsten Tage überhaupt. Der Primärtumor im Darm hatte sich gut verkleinert – das hatte ich schon gegen Ende der Chemo vermutet, denn nachdem mein Hämoglobinwert nach dieser Horrorinfusion die ersten 6 Wochen gleich geblieben ist, ist er zum Ende hin sogar gestiegen. Das konnte ja nur heißen, das sich der Primärtumor geschrumpft ist und es nicht mehr zu inneren Blutungen kommt. Zum Glück ist auch die Lebermetastase geschrumpft. Nicht so viel wie der andere, aber ausreichend das operiert werden kann. Jetzt war nur noch die Frage, wann kann operiert werden. Der Körper wird durch eine Chemotherapie stark unter Stress gesetzt, aber für eine größere Operation im Bauchraum braucht man Kraft.
Mein Auftrag an mich selber lautete daher, gut Essen, viel Spazieren gehen, versuchen ausreichend Schlaf zu bekommen (was übrigens während der Chemo ein Thema war. Zur Reduzierung der Nebenwirkungen habe ich Kortison bekommen und das ist das krasseste „Hallo wach“-Erlebnis, was ich je hatte) und Spaß zu haben. Ja, positive Erlebnisse geben einem Kraft und Stärke und genau die war jetzt wichtig. Die Onkologin meinte, es kann schon mal bis zu 6 Wochen dauern, bis die Chirurgen der Meinung sind, dass man fit genug für die OP ist.
Zum Glück war ich vor der Krankheit super fit und habe trotz aller Nebenwirkungen nie aufgehört mich zu bewegen und aktiv zu sein.
Nach dem Gespräch und der Untersuchung durch den Chirurgen wurde entschieden, dass ich nur 3 Wochen nach der letzten Chemogabe unters Messer konnte und(!!!) das beide Bereiche – der Darm und die Leber – in einer Operation gemacht werden können 🙂
Kurz vor Weihnachten war es soweit. Während alle anderen hektisch einkaufen gegangen sind, um das Fest mit ihren Liebsten vorzubereiten, habe ich mir überlegt, was ich ins Krankenhaus mitnehme. Für mich war es das schönste Geschenk, das jetzt dieser „Eindringling“ aus meinem Körper entfernt werden konnte.
Zur eigentlichen Operation will ich gar nicht viel erzählen, außer dass das Ergebnis war, dass alles „großzügig“ entfernt werden konnte. Beide Tumore waren hochgradig „nekrotisch“. D.h. die Chemo hat gewirkt! Es wurden außerdem ca. 40 Lymphknoten im Bauchraum entfernt, von denen 3 befallen waren.
Jetzt ging es darum wieder fit zu werden, um möglichst bald das Krankenhaus zu verlassen. Schon am Tag nach der OP kam eine Physiotherapeutin mit einem „Standrollator“ an dem ich mich aufrichten konnte und wir sind gemeinsam einmal die Station auf und ab gegangen. Leider habe ich den ersten 48h nach der OP so viel Blut verloren, dass zum Einen die Physio ausgesetzt wurde und entschieden wurde, dass ich eine Bluttransfusion benötige (bitte liebe Leute – geht Blut spenden, es rettet Leben). Das war mein Heiligabend – erst eine Darmspiegelung um herauszufinden, wo ich Blut verliere und dann die Transfusion. Merry Christmas….
Aber, Ende gut alles gut. Danach ging es dann steil bergauf. Ich habe angefangen „größere“ Spaziergänge zu unternehmen. Bin von meiner Station dann immer weiter durchs Krankenhaus gelaufen. Mir war langweilig und ich wollte mich bewegen.
Was ich noch erzählen muss, das gelbe auf dem Foto ist angeblich Rührei. Zum Glück hat mich meine Familie mit leckeren Dingen versorgt, die ich essen durfte – ansonsten hätte das mit meiner Genesung wahrscheinlich länger gedauert.
Das allergrößte Geschenk hat mir am Ende mein Chirurg gemacht. Er hat gemerkt, dass mich das Krankenhaus deutlich gestresst hat (mein Blutdruck war durch die Decke gegangen) und meine sonstige Genesung ging gut voran, so dass er mich einen Tag vor Sylvester entlassen hat.
Ich konnte das Neue Jahr zu Hause mit meinem Mann und meinem Hund verbringen und bin ins Neue Jahr krebsfrei gestartet <3
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