….Port Implantation, Chemotherapie – auf los geht’s los.
Also – auf gehts habe ich mir gesagt, jetzt wird das Ganze angegangen. Als erstes auf einen schnellen Termin zur Implantation des Chemo-Ports gedrungen. Jetzt, wo ich wusste, dass ich neben dem Tumor im Darm auch die Metastase auf der Leber hatte, wollte ich das schnellstmöglich angehen.
Normalerweise, wenn man sich auf eine Operation auch auf eine ambulante vorbereitet denkt man ja immer, man müsse „nüchtern“ sein – aber die Schwester an der Information, mit der ich den Termin vereinbart habe, war total cool. Sie meinte: „Wenn Sie einen längeren Zahnarzteingriff vor sich haben, essen sie dann an dem Tag vorher etwas?“. Das habe ich natürlich bejaht und dann meinte sie, das dieser ambulante Eingriff am Ende nichts anderes wäre, weswegen ich vorher ordentlich essen sollte, damit mein Kreislauf stabil ist. Nicht nur, habe ich das dann gemacht – Nein, sie hat mir auch die Angst genommen. Rational wusste ich natürlich (weil ich mich im Netz informiert habe), dass bei einer Port-Implantation ein Schlauch in eine große Vene bis in die obere Hohlvene (kurz vor dem Herzen) vorgeschoben wird, was natürlich auch Komplikationen haben kann. Daran habe ich nach dem Gespräch mit der Schwester aber nicht mehr gedacht 🙂 Es ist dann auch alles gut gelaufen und schon eine Woche nach der Implantation war die erste Chemotherapie-Session terminiert.
Das war auch gut so, weil ich brutale Angst davor – vor den Nebenwirkungen – hatte und Wartezeit diese Angst einfach nur steigert und (zumindest mir) nicht hilft.Nach dem Gespräch mit der Onkologin, als ich alle Informationen zusammen hatte, habe ich erstmal jedes einzelne Medikament im Internet recherchieren. Mir helfen Informationen. Ich musste verstehen, was da in meinen Körper gepumpt werden sollte, welche Nebenwirkungen wahrscheinlich und welche seltener sind. Seit der „lustigen“ Erfahrung nach der Eiseninfusion, bei der angegeben war das 1 von 1000 eine allergische Reaktion hat, ist mir klar geworden, dass auch unwahrscheinlichere Nebenwirkungen durchaus eintreten können (klingt naiv – aber ja, ich bin bis zu diesem Zeitpunkt immer gut davon gekommen und hatte glücklicherweise nie größere medizinische Probleme und habe nun mit Wucht gelernt, was es bedeutet, wenn sich das Blatt wendet).
Bevor am 16.10.2023 die erste Chemo-Infusion losging, habe ich an meine Säule, auf die nächste Seite und wieder mit einer anderen Farbe quasi meinen Projektplan geschrieben. Die Chemo-Runden alle mit einem Kästchen zum abhaken und dann einen „Summenstrich“ und ein „Chemo done“ auch mit Kästchen unten darunter. Ich war in meinem Fight mode und mir hilft Visualisierung um mein Ziel – mit exakt der geplanten Anzahl an Chemos zu erreichen, dass ich operiert werden kann – immer vor Augen zu behalten. An dieser Säule komme ich buchstäblich immer vorbei denn sie ist auf dem Übergang vom Flur in Wohnzimmer/Küche und egal wann immer es mir mal schlecht ging, habe ich mein Ziel gesehen und das hat mir wieder Stärke verliehen.
Apropos „schlecht gehen“ – Chemotherapie ist echt nicht ohne. Meine Nebenwirkungen beinhalteten keinen Haarausfall, obwohl mir das weniger wichtig war, denn die wachsen ja wieder, aber Übelkeit, Fingerkribbeln (bis hin zur Polyneuropathie), Brennen oder Taubheitsgefühle an den Händen (die massiv durch Kälte verstärkt wurden) Entzündungen der Schleimhäute in Mund und Nase, Durchfall, Appetitlosigkeit und und und – Zum Glück hat üblicherweise nicht jeder alle Nebenwirkungen. Außerdem bekommt man zusätzlich jede Menge Medikamente einige, die man präventiv nehmen soll damit es gar nicht erst auftritt und andere, falls es einen dann doch z.B. massiv mit Übelkeit erwischt.
Außerdem waren die Schwestern in der onkologischen Tagesklinik großartig. Die haben mir ganz viel Angst genommen und hatten auch ganz praktische Tipps. Ich habe z.B. immer gedacht, wenn es einem schlecht wird, erstmal nichts essen, bis sich der Magen beruhigt hat. O-Ton der Schwester: „Nie der Magensäure die Oberhand lassen“. Zum Glück leide ich auch sonst selten unter Übelkeit, weswegen diese Nebenwirkung bei mir nur gering aufgetreten ist, aber beim kleinsten Anflug von Übelkeit habe ich gegessen. Ich habe das Haus nie ohne einen Müsliriegel, eine Banane oder ähnlichem verlassen und wenn ich nachts wachgeworden bin und ich gemerkt habe, das mir leicht schlecht ist – bin ich in die Küche und habe zum ersten Mal in meinem Leben nächtliche Essen-Sessions gemacht. Am Ende habe ich es sogar geschafft, während der Chemotherapie zuzunehmen 🙂
Was bei mir stark ausgeprägt war, war die Kälteempfindlichkeit an Händen, der Haut im allgemeinen (auch bei Wind durch die Hose durch) und vor allem beim Schlucken. Ich konnte mit der Zeit nicht mal mehr Zimmertemperatur warmes Wasser trinken. Es ging nicht, mein Hals hat zugemacht und ich konnte nicht schlucken. Mir etwas aus dem Kühlschrank zu nehmen wurde zur Tortur. Ich habe meinen Mann bitten müssen, mir z.B. die Karotten zu schälen, damit ich mir eine Suppe machen konnte. Das kann man sich schwer vorstellen, mir war nicht kalt – ich konnte nur einfach nichts „kaltes“ anfassen. Das flaute in den 14 Tagen nach der Infusion immer etwas ab, wurde aber von Infusion zu Infusion schlimmer und es war ja Herbst/Winter – unlustig!
Was auf eine ganz andere Art belastet hat war die Tatsache, dass man mir nicht angesehen hat, das ich krank war. Das klingt vielleicht nach „klagen auf hohen Niveau“, aber wenn man Dinge hört wie „Du siehst großartig aus, dann ist das gar nicht so schlimm oder? Du steckst das einfach toll weg, da muss man sich ja gar keine Sorgen machen“ etc. Was mich dabei belastet hat war die Tatsache, dass ich mich dann immer wieder „schuldig“ gefühlt habe, dass ich krankgeschrieben war. Wenn ich doch so gut = fit aussehe, dann sollte ich wahrscheinlich auch arbeiten gehen. Es fällt mir eh schwer Schwäche zu zeigen und um Hilfe zu bitten und wenn dann vom Äußeren darauf geschlossen wird, dass das nicht notwendig ist dann ist das schwierig.
Zum Glück war das in meinem engeren Umfeld nicht der Fall. Dafür bin ich so dankbar. In dieser Zeit hat mir meine Familie und mein engerer Freundeskreis so viel Kraft gegeben. Sie haben mich aufgefangen und mich darin bestärkt, dass nur eine Person zu entscheiden hat, wie mit einer solch herausfordernden Zeit umgegangen werden soll und das ist die betroffene Person. Punkt!
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