Nach diesem wirklich ereignisreichen Tag begann das Warten. Ich glaube, mir sind 4 Tage noch nie so lang vorgekommen. Ich wusste nicht, wohin mit mir selbst. Meine Gedanken drehten sich im Kreis. Mal beruhigte ich mich, dass das CT nur eine Standarduntersuchung ist – dann wieder hatte ich Panik, was sie alles noch im meinem Körper finden könnten.

Am 29.09. war die nächste Durchsprache beim Chirurg und dort wurde uns eröffnet (uns – denn seit dem Termin bei dem Gastroenterologen war mein Mann immer dabei. Ich habe Fragen vorbereitet, die er im Falle dessen, dass ich wegen Tränen nicht sprechen könnte, stellen sollte), dass ich einen Schatten auf der Leber hatte und nun ein MRT von dieser Region gemacht werden musste, um zu sehen, worum es sich handelt. Wieder wurde ich erstmal beruhigt. Ich solle mir nicht gleich dir größten Sorgen machen, es könne sich auch um ein „Blutschwämmchen“ (das ist der häufigste, gutartige Tumor auf der Leber der üblicherweise auch keine Beschwerden verursacht) handeln, dass müsse man jetzt mal abklären.

Die gleiche Prozedur begann jetzt nicht von vorne, aber es war der gleiche Ablauf. Ein Termin für den 02.10. wurde vereinbart und diesmal wurde mir gleich eröffnet, dass  die Ergebnisse am 04.10. besprochen werden können. Das hieß dann erstmal wieder warten. Erst auf den Termin zur Durchführung und dann zur Besprechung. Ich habe versucht mich abzulenken – aber das funktionierte natürlich nicht wirklich. Wir kann man an etwas anderes denken, wenn man die ganze Zeit schwankt zwischen; „das wird schon gut gehen, das ist etwas gutartiges“ und „verdammt, was heißt das? Ist das ein zweiter Tumor, eine Metastase?“ 

Leider war es die zweite Möglichkeit. Ich hatte noch eine Metastase auf der Leber und keine Kleine. Für mich brach gefühlt eine Welt zusammen, denn ich hatte bis zu diesem Moment gehofft, dass ich direkt in die OP kann und hatte irgendwie die naive Idee, dass ich um eine Chemotherapie herum komme. Nun hieß es jedoch „Liver first“ und es wurde mir gesagt, das ich so bald wie möglich in die Chemo soll, um sicherzustellen, dass die Lebermetastase soweit verkleinert wird, dass sie operabel entfernt werden kann. Ich kann rückwirkend nicht mehr beschreiben wie es mir genau ging, aber ich weiß noch, dass es sich anfühlte als würde mir der Boden unter meinen Füßen weggezogen. Ich war so dankbar, dass mein Mann dabei war und alle Fragen stellen konnte, ich war zu keinem klaren Gedanken in dem Moment fähig.

Wir haben alles abgeklärt, inkl. eines Termins zur ambulanten Implantation eines sogenannten „Chemo-Ports“. Das ist ein ca. 2€-Stück großes Teil, welches mir rechts unterhalb des Schulterbeins implantiert wurde und dann mit einem Katheder direkt ins Herz führt. Über diesen Zugang würde dann die Chemo gegeben werden. 

Wir sind nach Hause gefahren und ich habe mehr oder weniger durchgängig geweint. Stunden später, als ich keine Tränen mehr hatte, habe ich auf eine Seite der Säule in unserer Wohnung „04.10.2023 so’n Scheiß“ geschrieben. Die Nacht war auch besch….. Ich habe abwechselnd wach gelegen, die Decke angestarrt während der Kopf ein Szenario nach dem anderen durchgespielt hat und komatös geschlafen. Am nächsten Morgen hatte ich dann aber keinen Bock mehr, mir selbst leid zu tun. Wenn schon alles sch…. ist, dann will ich es soweit es geht selbst steuern. Ich bin aufgestanden und habe dem Krebs und der Welt den Kampf angesagt. Ich bin zu der Säule, habe einen anderen Stift genommen und auf die zweite Seite „Fight mode ON“ geschrieben. Ich hatte beschlossen, dass mich der Krebs nicht bekommt!!!

Witzigerweise war eine der ersten Maßnahmen, dass ich einen neuen Look für mich wollte. Ich war nicht unglücklich mit meinem bisherigen, aber ich hatte das Gefühl, dass es nun in meinem Leben ein vor und ein nach der Krebsdiagnose gab und dem wollte ich einen äußeren Ausdruck verleihen. Also ab zum Optiker, neue Brille ausgesucht und ab zum Friseur und einen neuen Haarschnitt. Die Texte auf der Säule und auch den neuen Look, seht ihr im Bild oben.

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