Dieser Termin war dann am 25.09.2023. Die Zeit bis dahin habe ich noch weniger geschlafen, mir ging es immer schlechter, aber mein Verantwortungsgefühl meinem Projekt gegenüber – und auch die Hoffnung, dass es am Ende alles gar nicht so schlimm sei – hat mich dazu veranlasst, immer weiter zu arbeiten . Noch am Freitag der Vorwoche habe ich im Vorstand unsere Ergebnisse präsentiert und mir nichts anmerken lassen. Niemals zeigen, das es Dir schlecht geht und niemanden mit Deinen Problemen behelligen ist so massiv in mir gewesen, das ich nach außen weiter versucht habe die Starke zu sein.
Jedem, der sich vor einer Magen-/Darmspiegelung drückt möchte ich hier sagen – das blödeste ist das Abführen am Tag vorher. Zu der Untersuchung gibt es Propofol (ja genau, das was durch Michael Jackson in die Presse gekommen ist 😉 )und man ist mit netten Träumen in einem angenehmen Dämmerschlaf und bekommt absolut nichts mit.
Ich war natürlich durch, geschwächt, hatte Angst aber ich wollte unbedingt wissen was es ist. Die Ungewissheit hat mich wahnsinnig gemacht. Nach der Untersuchung habe ich dann direkt die ersten Ergebnisse erhalten. Der Magen und auch die Bauspeicheldrüse waren top in Ordnung. Im Darm jedoch hat der Arzt einen Tumor gefunden, der die Darmwand angegriffen hatte – was dann den Blutverlusst erklärt hat. Und bevor jemand fragt: „Hast Du denn nie Blut im Stuhl gesehen?“ Nein, habe ich nicht und wie gesagt, der Stuhltest war noch im November 2022 negativ und das obwohl ein Darmtumor ein eher langsam wachsender Tumor ist.
In dem Moment sind natürlich sofort wieder die Tränen gekommen. Ich bin nicht nah am Wasser gebaut, aber solche Nachrichten treffen einen – egal wie häufig man vorher darüber nachgedacht hat – mit voller Wucht in die Magengrube.
Der Arzt hat dann erklärt, das die Proben jetzt erstmal in die Pathologie geschickt werden um den Fund zu bestätigen, aber das er aus seiner Erfahrung mit ziemlicher Bestimmtheit sagen kann, dass es sich um einen bösartigen Tumor – also um Darmkrebs handelt. Er hat dann versucht mir die Angst zu nehmen, hat erklärt, dass Darmkrebs ein langsam wachsender Krebs ist, dass dieser heutzutage kein Todesurteil mehr darstellen muss und dass er an diesem Ort (im Zoekum – das ist am Übergang vom Dickdarm zum Dünndarm) gut operabel sei. Er hat dann angeboten, schon mal parallel zur Pathologie Kontakt mit einem Viszeralchirurgen (Spezialist für Operationen im Bauch-/Darmbereich) aus dem Krankenhaus Rechts der Isar aufzunehmen, mit dem er, bevor er die Praxis eröffnet hat, in der Klinik zusammengearbeitet hat.
Ich bin etwas beruhigt aus der Praxis raus und runter zu meinem Mann, der mich dann abgeholt hat. Nachdem ich bei der Recherche zu den Ursachen des Blutverlussts auch Bauchspeicheldrüsenkrebs auftauchte, war Darmkrebs fast eine gute Nachricht. Daran habe ich versucht mich festzuhalten. Das es unter den „Scheiß“-Diagnosen eine der nicht ganz so schlimmen Diagnosen war und meine Hoffnung war, ich gehe ins Krankenhaus, werde operiert und schwupsdiwupps ist alles beim Alten. Ich bin heute noch erstaunt, wie naiv ich in dem Moment war. Was mich in den Tagen danach allerdings fertig gemacht hat, war das Warten auf die Ergebnisse der Pathologie. Das war gar nicht lang – aber es fühlte sich an, wie eine Ewigkeit.
Die Pathologie hat die Diagnose bestätigt, es handelte sich um einen bösartigen Tumor und ich sollte mir möglichst schnell einen Termin zur Vorstellung und Durchsprache in der ambulanten Chirurgie machen. Als ob man in der Situation denkt – na ja, um den Termin kümmere ich mich irgendwann mal.
Der Termin war zügig vereinbart – mit der Diagnose, lässt einen keiner warten – und mir wurde vom Chirurg bestätigt, dass der Tumor gut operabel sei aber das wir jetzt, als Standardprozedur jetzt erstmal ein CT machen. Ich durfte gleich dableiben, warten, dann ging es ab ins CT und es folgte nochmal ein Gespräch mit dem Chirurgen. Und wieder zeigte sich meine grenzenlose Ahnungslosigkeit und Naivität, denn ich dachte, es gäbe gleich die Ergebnisse des CTs aber mitnichten. Mir wurde mitgeteilt, das würde einige Tage dauern und sie melden sich Ende der Woche. Noch bevor ich das verdaut hatte, wurde – nachdem geklärt war, dass ich die Eisensublimentierung gut vertragen habe – der Vorschlag unterbreitet, eine Eiseninfusion zu machen. Mein HB-Wert war viel zu tief und für die geplante Operation sei es ratsam, nicht mit Blutarmut reinzugehen. Dem habe ich zugestimmt, dann wurde die Infusion besorgt und dann lief, schön langsam, über eine Stunde lang, das Eisen über einen Zugang im Arm in meinen Körper gebracht.
Es war ein wirklich warmer Septembertag, es hat alles sehr lange gedauert im Krankenhaus und als wir endlich mit der Infusion fertig waren, hat mich mein Mann gefragt, was ich jetzt machen wolle. Ich war platt, müde aber auch hungrig worauf wir ca. 20min zu einem Biergarten gefahren sind. Als ich dort aussteigen wollte, habe ich gesehen, dass meine Arme und Beine stark angeschwollen waren, Arme und Hals (die Beine steckten in Hosen und ich konnte es nicht sehen) mit einem roten Ausschlag übersäht waren. Ich hatte eine allergische Reaktion. Also, so fort umgedreht und unter Nichtbeachtung der meisten Verkehrsregeln, ging es zurück zum Krankenhaus.
Dort angekommen, gab es keinen Parkplatz. Also hat mein Mann mich rausgelassen mit dem nachdrücklichen Hinweis, ich solle direkt zur Notaufnahme gehen und mich vordrängeln, egal was sei. Dazu muss ich sagen, dass das so ziemlich das letzte ist, was mit leicht fällt. Wie schon erwähnt – niemanden zur Last fallen, ich schaff das, das ist mein Credo. Ich kam bei der Notaufnahme an, natürlich x-Leute im Wartebereich und auch jemand im Sprechzimmer. Weil ich mich nicht getraut habe, irgendetwas zu sagen, es mir aber inzwischen wirklich schlecht ging, habe ich mich auf den Boden direkt neben dem Sprechzimmer gesetzt. Noch bevor die Tür aufging kam mein Mann, sah mich und fragte was los sei – auf meine Antwort da sei jemand drin, hat er nur ungläubig den Kopf geschüttelt, geklopft, die Tür geöffnet und der anwesenden Ärztin gesagt „Meine Frau hat vor ca. einer Stunde hier eine Eiseninfusion bekommen und hat eine schwere allergische Reaktion. Danach ging es dann sehr schnell. Ich landete auf einer Trage, wurde in den Behandlungsraum der Notaufnahme geschoben, untersucht, bekam Kortison und „durfte“ die Nacht auf der Intensivstation verbringen.
Manchmal kommt es echt anders als man denkt – aber es ist alles gut ausgegangen und ich habe mich dann, nachdem alle Schwellungen abgeklungen waren, die Atemnot und der Ausschlag weg waren, dann noch in der Nacht selbst entlassen. Ich war einfach müde (die Intensivstation ist kein Ort, an dem man wirklich gut schlafen kann) und verdammt hungrig.
PS: Auf dem Bild sieht man sehr gut wie blass ich war im Vergleich zu meinem Mann – eine Folge der Blutarmut durch den Tumor.
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