Tatsächlich fing 2023 grandios an. Ich habe ein großes Projekt in unserer Company übernommen, ein wirklich großes, angesetzt auf mehrere Jahre mit Kolleg*innen aus den verschiedensten Bereichen – Cross funktional nennt man das. Ziel war es die vielen verschiednen internen Abläufe, für manchmal das ein und den selben Prozess zu vereinfachen und soweit es geht zu automatisieren. Klingt nicht spannend – war es aber 🙂
Was das so mit sich bringt, ist natürlich ein riesiger Sack voll Arbeit. Meine Arbeitstage waren vorher schon nicht kurz, aber dann ging es erst richtig los. Es hat mich aber überhaupt nicht gestört. Es hat mir einen Wahnsinns-Spaß gemacht, alles aufzusetzen, zu organisieren, dem Ganzen eine Struktur zu geben und so weiter und so fort. Man könnte sagen, ich war in meinem Element.
Ziemlich genau zur gleichen Zeit hat mir mein Mann eine Instagram-Werbung über Boxkurse für Frauen gezeigt. Genau – da muss man doch mal den Algorithmus hinterfragen, warum ihm – als Mann – Boxkurse für Frauen angezeigt werden, aber das war halt so. Boxen stand noch nie auf meiner ToDo-Liste. Ich habe zwar schon Kampfsport gemacht und interessierte mich auch für weitere Kampfsportarten, aber Boxen war nie dabei. Boxen war für mich immer ein „da schlagen Leute aufeinander ein“. Das Angebot war aber toll, es gab jeden Tag Kurse, auch am Wochenende und ausprobieren, dachte ich mir kann ja nicht schaden.
Nie hätte ich gedacht, dass es mich so packt. Schon ab dem zweiten, dritten Training war klar – ich habe eine neue Leidenschaft entdeckt. Für mich war das unbeschreiblich, die Kombination aus Koordination, Technik und natürlich Kondition – Wahnsinn. Man geht ins Training und kann an nichts denken, weil man zu sehr damit beschäftigt ist zu überleben – natürlich im übertragenden Sinn 🙂 Und dieses, nicht denken, ist für mich der größte Luxus. Einmal den Kopf rausnehmen und nach einer Stunde körperlich völlig fertig, vollgepumpt mit Endorphinen und der Geist klar und entspannt. Großartig 🙂
Parallel dazu habe ich im Januar ich einen Komplett-CheckUp machen lassen. So einmal von oben bis unten. Herz, Kreislauf, Lunge, Muskelmasse – you name it. Dazu gehörte auch ein großes Blutbild bei dem sich zeigte, dass ich leicht anämisch war. Mein Hämoglobinwert (rote Blutkörperchen) war bei 10,7 und der Einstiegswert bei Frauen ist <12g/dl. Ich habe ein Eisenpräparat bekommen und mir keine Sorgen gemacht, weil ich schon als Kind immer mal wieder Eisen bekommen habe, weil ich so blass war. Was ich in dieser Untersuchung ausgelassen habe, war der Stuhltest, mit dem auf okkultes Blut im Stuhl getestet wird – was dann ein Anzeichen für eine Störung im Darm ist. Ausgelassen habe ich den, weil ich erst im November einen gemacht habe, er damals negativ war und ich mich einfach sensationell fit gefühlt habe. Als dann im März das Kontrollblutbild gemacht wurde, lag mein HB-Wert wieder bei 12,5 – also alles gut, dachte ich.
Im Juli ging es dann los, dass ich einen Leistungsabfall beim Training gemerkt habe. Irgendwie kam ich schneller aus der Puste, hatte weniger Kondition und musste so manche Sandsacksession etwas langsamer angehen lassen. Sorgen habe ich mir da noch keine gemacht, weil mein Projekt sehr anstrengend geworden war. Die Arbeitstage endeten kaum vor 22:00 Uhr, ich habe schlecht geschlafen und war ziemlich gestresst. So dass ich anfänglich nur dachte, ich sei als Frau Mitte 50 vielleicht einfach an meinem Leistungslimit angekommen. Bin trotzdem weiter ins Training gegangen und habe zumindest versucht, mein Arbeitspensum etwas runter zu schrauben.
Als der Leistungsabfall so stark wurde, dass ich Ende August keine zwei Etagen mehr die Treppe hochgehen konnte ohne nach einem Stockwert stehen bleiben zu müssen, um wieder zu Atem zu kommen, war mir klar, dass irgendetwas nicht stimmen konnte. Ich war immer fit, habe immer Sport gemacht, rauche nicht und ernähre mich gesund – das konnte nicht sein, dass ich so massiv abgebaut habe „nur“ weil ich zu viel gearbeitet habe.
Leider konnte ich nicht zu meinem Hausarzt, weil der zu der Zeit selbst krank war und die Praxis geschlossen war. Daher habe ich mir überlegt, bevor ich zu einem „neuen“ Hausarzt gehe, der mich nicht kennt, gehe ich lieber direkt zum Spezialisten. Weil mein Hauptsympton dieser Leistungsabfall mit „außer Puste kommen“ war – bin ich als erstes zum Kardiologen, denn ich vermutete irgendetwas mit dem Herzen. Herz und Arterien waren komplett in Ordnung, keine Ablagerungen, nichts was es erklären könnte. Als nächste bin ich dann zum Endokrinologen, denn als Frau meines Alters dachte ich, dass ggf. irgendetwas mit den Hormonen nicht stimmt oder die Schilddrüse außer Balance gekommen sein könnte. Aber auch das war negativ – alles in Ordnung. Dieser Arzt jedoch machte ein großes Blutbild und da hat sich dann der Grund für meine Symptome gezeigt.
Mein HB-Wert war bei 7 (wie schon erwähnt, sollte er eigentlich bei <12 sein). Das erklärte natürlich, warum ich so schnell außer Atem war und keine Kraft hatte. Wenn die Muskeln nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden – weil Blutarmut herrscht – dann ist es klar, warum ich nicht mehr konnte.
Er hat mich dann sofort zum Gastroenterologen für eine Magen – und Darmspiegelung geschickt – denn irgendwo, musste ich innere Blutungen haben und meistens ist das im Magen-/Darmbereich.
Ich war stark verunsichert und habe erstmal gegoogelt, was die Gründe für innere Blutungen sein können, wenn man keine Verletzung/Autounfall oder ähnliches hatte. Die Ergebnisse reichten dann von einem durchgebrochenem Magengeschwür über Tumoren im Darm bis hin zum Bauchspeicheldrüsenkrebs. Verzweiflung machte sich breit. Damit rechnet man nicht. Ich saß zu Hause, habe geheult und erstmal meinen Mann angerufen. Der hat sich alles angehört und mich allein dadurch etwas beruhigt. Als ich wieder ohne Tränen sprechen konnte, habe ich nach einem Gastroenterologen gegoogelt, angerufen, die vermuteten Diagnosen genannt und dadurch relativ schnell einen Termin bekommen.
Weitere Beiträge
18. Januar 2026
Krebstagebuch Teil 5: Chemo vorbei, aber kann operiert werden?
Eine Krebsdiagnose ist nervenaufreibend – besonders die Zeit des Wartens nach…
2. Januar 2026
Krebstagebuch Teil 4: Und nun geht es wirklich los…..
....Port Implantation, Chemotherapie - auf los geht's los. Also - auf gehts…
7. November 2025
Krebstagebuch Teil 3: Warten, die finale Diagnose und ein neuer Look!
Ich nehme Euch mit in die letzten Tage und Wochen, bevor endlich die finale…




